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| | #1 |
| Gedankliche Prozesse aufdecken Wie wir alle wissen, ist jeder einzelne Zug auf dem Schachbrett, zumindest bei Partien Mensch gegen Mensch, das Resultat der Gedanken des Ziehenden. Jede schachliche Entscheidung am Brett entspringt einem Denkprozess. Meiner Meinung nach muss es deshalb das Ziel eines guten Schachtrainings sein, den eigenen Denkprozess zu optimieren. Ich habe mir im Laufe meiner (noch nicht allzu langen) Trainingsarbeit und Bücherlektüre ein bestimmtes (Frage-)Schema entwickelt, das ich versuche, vor jedem einzelnen eigenen Zug einmal durchzugehen. Ich werde es direkt unten separat posten. Freuen würde ich mich, wenn ihr hier auch Eure gedanklichen Prozesse veranschaulicht, sodas man gegebenenfalls vergleichen kann und jeder vielleicht einige Anregungen für die eigene Entscheidungsfindung am Brett mitnimmt. | |
| | #2 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Mein Frage- bzw. Denksystem vor jedem Zug gliedert sich in zwei Phasen: Phase 1: Analyse 1. Was ist der Zweck des letzten gegnerischen Zugs? 2. Was droht - was sind meine Schwächen und des Gegners Stärken? 3. Welche Schwächen hat der Gegner? 4. Was ist meine Spielidee, mein Plan – wo sind meine Stärken? Phase 2: Zugfindung 5. Welcher Zug verbessert meine Stellung in Hinblick auf meinen Plan? 6. Was genau verbessert mein Kandidatenzug? 7. Was droht, nachdem ich meinen Kandidatenzug gemacht habe? Über Anregungen und eventuell eigene Schemata würde ich mich freuen! | |
| | #3 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Mein erster Trainer hat mir schon kurz nach meinen ersten Taktikaufgaben (und vor meinem ersten Mannschaftskampf, was zeitlich sehr nah lag) folgende Regeln beigebracht, die ich heute nach Möglichkeit immernoch anwende: 1. Was ist der Sinn des gegnerischen Zuges? 2. Hängt Material bei mir? 3. Hängt Material bei ihm? 4. Steht mein König sicher? 5. Steht sein König sicher? 6. Wie kann ich seine Schwächen (König, postitionelle/taktische Schwächen) ausnutzen? Damit bekommt man zum einen die Zeit rum (was man Anfängern zumeist erstmal beibringen muss | |
| | #4 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken AW: Einsteller vermeiden Also ich berechne jeden Zug nach meinem fragen-System: 1) Was hat der Gegner gezogen und was will er damit erreichen? (Was würde er ziewn wenn er sofort nochmal dran wäre?) 2) Muss man etwas dagegen tun? (Einschätzung der Drohung) 3a) Wenn ja, was? (Verteidigungsplan aufstellen) 3b) Wenn nein, was kann ICH drohen/angreifen/verbessern usw. ? (Eigenen Plan entwickeln) 4) Ist der gefundene Zug kurzfristig (1-2-Zügig) gefährdet? 5) Wenn nein: ZIEHEN! Einige Allgemeine Regeln für jeden Zug: 1) Denke an die Prinzipien der Eröffnung/ des Mittelspiels und des Endspiels. 2) Spiele immer gegen deinen Gegner, nicht für dich alleine. 3) Spiele entweder gegen die stärkste Figur deines Gegners oder verbessere deine Sclechteste. 4) Die Seite mit Entwicklungsvorteil braucht offene Linien. 5) Wenn man weniger Material hat, sollte man Bauern tauschen. 6) Wenn man mehr Material hat, sollte man Figuren tauschen. 7) Eine ungedeckte Figur ist (fast) immer ein Grund für eine Kombination. Diese Tipps kommen alle von meinem Trainer, dem IM Alexander Bodnar. | |
| | #5 | |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Zitat:
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| | #6 | |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Zitat:
Gefällt mir. frenzy | ||
| | #7 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Einfaches System: 1. Gibt es akute Probleme in meiner Stellung? (Hängendes Material, direkte Drohungen, unangenehme Züge) Wenn Ja -> 1.1 Wenn Nein -> 2. 1.1 Verteidigungsplan ausarbeiten und dennoch nach Gegeninitiative suchen.-> 1.2 1.2 Zug überprüfen -> 4. 2. Hat mein Gegner akute Probleme? Wenn Ja -> 2.1 Wenn Nein -> 3. 2.1 Nutzen aus dem Vorteil ziehen. Überlegen, wie man etwaige positionelle Schwächen ausnutzen kann. -> 2.2 2.2 Sämtliche Verteidigungsmöglichkeiten des Gegners durchgehen und auf Gegeninitiative achten. -> 2.3 2.3 Zug überprüfen -> 4. 3. Langfristigen strategischen Plan ausarbeiten. Aktivität der Figuren beurteilen, Blickrichtung der Figuren betrachten. Bauernhebel in Betracht ziehen. Diese Vorbereiten. Vorposten...etc. -> 3.1 3.1 Zug überprüfen und sicherstellen dass keine Schwäche entsteht, die man als Gegner ausnutzen könnte. -> 4. 4. Ziehen!!! | |
| | #8 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken ganz ehrlich... wenn ich mir immer wieder diese Listen durch den Kopf gehen lassen würde.. und man gehe davon aus dass man sich zur Sicherheit jede Frage mal beim Denken durch den Kopf gehen lässt... dann vergehen da schon mal n paar Minütchen... und die würde ich doch eher nochmal in den Entwurf eines Planes, dem Berechnen der Kandidatenzüge etc. reinstecken anstatt immer so eine liste durchzugehen | |
| | #9 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken naja man geht die liste ja eigentlich automatisch durch ohne sich dabei gedanken über eine bestimmte Liste zu machen...und dann rechnet man Varianten. | |
| | #10 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Die Frage, was mein Gegner droht, stelle ich mir fast nie. Ich lege die Partie so an, dass ich die Drohungen aufstelle | |
| | #11 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken | |
| | #12 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken da hilft wohl einfach nur Training, um sich diese Fragen nicht ständig stellen zu müssen. Vor allem Taktiktraining könnte ich mir als sehr hilfreich vorstellen. Kurz gegoogelt und das hier gefunden Patzer - Prophylaxe - Schach! | |
| | #13 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken | |
| | #14 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Also ich verwende (zumindest mehr oder weniger unterbewusst) meist folgendes Denkschema: 1. Was droht mir von der gegnerischen Seite (taktische Schläge und Drohungen)? 2. Was hat mein Gegner mit diesem Zug beabsichtigt (ein Zug kann manchmal auch mehrere Ziele verfolgen)? 3. Wenn ich die gegnerische Absicht durchschaut habe schreibe ich den Zug auf. Wenn man die Absicht nicht erfasst sollte man immer vorsichtig sein. 4. Welche taktischen Möglichkeiten habe ich (hier sollte man das Schachbrett mit einem taktischen, divergenten und auch intuitiven Blick erfassen)? 5. Falls sich keine taktischen Möglichkeiten finden lassen überlege ich mir gute strategische Züge und suche mir 3-4 Kandidaten heraus (bei der Auswahl kann man schon mal kurz vorrausrechnen und so schon mal aussortieren). Falls es hingegen taktische Möglichkeiten gibt kann man diesen Teil auch manchmal auslassen, da taktische Züge fast immer stärker sind als strategische. 6. Als nächstes werden alle Kandidatenzüge analysiert und die Varianten berechnet. Die Berechnung sollte immer in einer "gefriedeten" Stellung enden, welche es dann positionell zu beurteilen gilt (Bauernstruktur, Material, Aktivität, Linien, Diagonalen, Vorposten, Königssicherung, Zentrum usw.). Bei der Variantenberechnung sollte man intelligent vorgehen und unterschiedlich tief rechnen. 7. Sind alle Züge durchberechnet wähle ich den für mich besten Zug aus (hier muss man neben den strategischen auch die gegnerischen und eigenen taktischen Möglichkeiten berücksichtigen) . 8. Dieser Zug wird jetzt nochmal gegen taktische Schläge des Gegners überprüft. 9. Falls sich kein Fehler finden lässt wird der Zug ausgeführt. 10. Ich schreibe den Zug auf. Ich denke, dass wenn man nach diesem Schema vorgeht man nicht viel falsch machen kann. Am Anfang sollte man wirklich ganz bewusst die einzelnen Schritte durchführen. Später macht das dann automatisch unterbewusst. Mit freundlichen Grüßen, gabriel.inc | |
| | #15 | |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Zitat:
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| | #16 | |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Zitat:
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| | #17 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Ich hatte auch mal so ein Frageschema mit Eselsbrücken und habe es nie eingehalten. Es war mir zu umständlich vor jedem Zug alle diese Punkte abzufragen. Jetzt mache ich etwas ganz anderes. Ich nenne es die 5-Sterne-Methode. Das geht so: 1. Check nach dem Zug des Gegners 1. Stern Ich betrachte zuerst das Feld, auf dem die Figur des Gegners gestanden hat. Ich schaue, welche Linien, Reihen und Diagonalen durch den Zug geöffnet wurden und was die Konsequenzen daraus sind. Wird beispielsweise eine Diagonale für einen Läufer frei, so schaue ich wohin dieser ziehen könnte und was er dort anrichten kann. Evt wird ja auch plötzlich für eine meiner Figuren ein neuer Weg frei! 2. Stern Dann schaue ich, welche Felder nun durch den Wegzug der Figur nicht mehr (oder 1x weniger) gedeckt sind. 3. Stern Nun betrachte ich das Feld auf dem die Figur neu steht: Welche Linien, Reihen und Diagonalen sind dadurch neu blockiert (für gegenerische Figuren wie für eigene). Falls eigene Figuren auf das Feld zielen, schaue ich auch gleich, ob denn die Figur überhaupt genügend gedeckt ist - oder ob deren schlagen eine andere Figur ungedeckt werden lässt? 4. Stern Ich untersuche nun welche Felder neu durch die Figur angegriffen/gedeckt werden. Falls Figuren von mir oder schwache Felder in der Nähe des Königs angegriffen werden, checke ich kurz wie gefährlich das sein könnte (bzw. merke mir es für die Evaluation meines Antwortzuges). 5. Stern Ausgehend vom Zielfeld der Figur wird der Blick nun aufs das ganze Brett erweitert (damit man nicht nur eine Ecke anguckt). Zuerst werden die möglichen einzügigen Angriffe auf die Figur gecheckt (um Gabeln, Abzüge und andere Doppeldrohugnen zu finden), dann gehts weiter aufs ganze Brett: Kurz werden alle Springer und langen Damenzüge gecheckt. Bei diesen beiden Figuren werden die meisten Einsteller/Doppeldrohungen übersehen. Ich selber nutze aber den 5. Stern ganz allgemein um nach ungedeckten Figuren schwachen Feldern etc. zu forschen und meinem König die Aufwartung zu machen. Wichtig ist dabei: Immer die Zuglinien der Figuren zu verlängern über ein Hindernis hinaus. Also beispielsweise beim 1. Stern. Eine Linie wird freigegen für einen Turm. Dieser kann nun bis zu einem gut gedeckten Springer von mir ziehen. Nun schaue ich weiter was hinter dem Springer ist. Steht dort der König oder die Dame, dann habe ich eine Fesselung oder sonst eine gefährliche Situation, die ich zumindest bewerten muss. Dasselbe beim 4. Stern. Was ist neu angegriffen, was steht hinter der angegriffenen Figur. Wieso nenne ich das 5 "Sterne"? Der Blick wandert ja wie gesagt ausgehend von einem Feld über Linien, Reihen und Diagonalen, sowie (nicht vergessen) das Springerrad (8 Felder im Kreis um einen Springer), falls ein Springer gezogen hat. Diese Linien gehen sternförmig von diesem Feld weg. Bildlich kann ich mir das so am besten merken. Ich untersuche dann ganz bewusst diese Sterne mit den Augen. Auf diese Weise brauch' ich mir keine bestimmten Wörter/Eselbrücken oder Prüfabfolgen mehr zu merken. Einfach ab 4 Feldern sternförmig über das Brett schauen (2 sichtweise zum alten Feld, 2 Checks zum neuen Feld) und dann den 5. Stern als allgemeiner Check über das ganze Brett mit Focus auf die Springer und die Damen. Fesselungen, Doppelangriffe, Spiesse etc. werden bei konsequenter Anwendung sofort entdeckt ohne dass ich konkret nach einer bestimmten Reihenfolge danach suche. Die Methode mit den Eselsbrücken hat ja den Nachteil, dass ich bestimmte Situation/Figuren mehrmals teste 1x ob es dort eine Fesselung gibt, dann ob die Figur mit einem Abzug geschlagen werden kann, etc. Das kam mir trotz klarer Reihenfolge chaotisch und ineffizient vor. Ich habe das jednefalls nie einhalten können. Mit ein wenig Übung dauert die Sternmethode nur wenige Sekunden. Man erkennt zudem meist sofort, was der Gegner droht, was die eigentliche Absicht hinter seinem Zug ist. Was auch sehr wichtig ist: man sieht sofort, wenn er einen leichten Fehler gemacht hat. Erst nachdem ich den Zug des Gegners so kurz gecheckt habe, kommt die weitere Überlegung, die man halt für die Auswahl der Strategie und der nächsten Züge macht. Basierend auf dem, was man vorher gesehen hat, ist aber sehr häufig schon mal klar, ob es dringend etwas zu tun gibt, oder ab man ruhig auf Positionsspiel machen kann. 2. Check vor Ausführen meines Zuges Bevor ich dann meinen nächsten Zug ausführe, kommt nun nochmals derselbe Check, aber diesmal für die Figur, die ich ziehen will. Dieser zweite Check geht meist noch schneller als der erste (da ich ja nicht gleichzeitig die Absichten hinter dem Zug erforschen will). Auf diese Weise sehe ich nicht nur, wenn meine Figur eingestellt wird, sondern ich sehe auch, wenn ich durch wegstellen einer Figur eine andere einstelle (z.B. indem die Deckung wegfällt oder indem eine eine Linie geöffnet wird) oder sonstwien Einbruchslinie öffne. Am Anfang muss man aufpassen, dass man nicht sogar ins Gegenteil verfällt: Statt Figuren einzustellen, tendiert man plötzlich dazu jeder Schlagmöglichkeit des Gegners irgendwie vorbeugend entgegenwirken zu wollen. Ich habe am Anfang Partien verloren, weil ich fast histerisch auf die falschen Drohungen reagiert habe. Aber das legt sich nach und nach wieder. Leider mach ich das nicht allzu konsequent - ich vergesse es halt hin und wieder, wenn die Stellung eine hohe Dramatik hat und ich nur den Kopf dafür habe - oder wenn die Zeit knapp wird und ich in Hektik verfalle. Trotzdem hat mir das schon einige Pünktchen gerettet sei durch vermeiden eines völlig unnötigen Verlustes durch dummes Figureneinstellen in einer absolut ungefährlichen Spielsituation oder durch ausnützen eines Gegnerfehlers. | |
| | #18 | |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Zitat:
Oft nutze ich nicht die zur Verfügung stehende Bedenkzeit und ziehe dann viel zu schnell. Insoweit ist es sicher sehr hilfreich die Gedanken am Schachbrett zu strukturieren um letztlich auch die Zeit sinnvoll zu nutzen. Das obige grundlegende Schema ist zu grob und daher didaktisch ungeeignet. Wie kann das etwas subtilere Denken am Schachbrett nun schematisch vorbildlich erfasst werden? Basieren die anderen Beiträge hier auf einschlägiger Schachliteratur? Ich würde gerne mehr über dieses interessante Thema erfahren. | ||
| | #19 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken schoentalegg: Danke für deine Sternmethode! Die macht einen recht guten Eindruck auf mich. Ich werde das direkt mal ein wenig ausprobieren. RedCloud: Mein oben genanntes zweiphasiges Denksystem basiert nicht auf der Literatur, jedenfalls nicht direkt - allerdings habe ich es mir selbst parallel zum Lesen von "The Amateurs Mind" von J. Silman erarbeitet. Auch ich wüsste gerne mehr über dieses Thema im Allgemeinen. Dazu schließt sich direkt die Frage nach guter Literatur über Schachpsychologie an. Und damit meine ich nicht primär Fragen nach einer kämpferischen Einstellung oder nach gezielter psychologischer Vorbereitung auf einen Gegner, sondern nach der allgemeinen Möglichkeit, sein eigenes schachliches Denken gezielt zu ändern. Ich kenne da nur das Werk von Rowson, "Seven Deadly Chess Sins". Weiß jemand mehr darüber? | |
| | #20 |
| AW: Gedankliche Prozesse aufdecken Häufig denke ich da gar nicht mehr groß drüber nach - mit den entsprechenden gelegentlichen negativen Konsequenzen. Meist läuft es aber irgendwie so ab: Wenn ich genau diese Position schonmal hatte, also in der Eröffnung, was habe ich da gespielt? Wenn ich mir sicher bin, dass das ok war, spiele ich es. Ansonsten prüfe ich wie immer auf Drohungen (was kann der Gegner Böses tun wenn er oder sie direkt wieder dran wäre/was würde ich als Gegner tun) und vor allen Dingen, wie ich meine Entwicklung fortsetzen kann, welche Figuren ich noch nicht gezogen habe. Im Mittelspiel (wie auch im Endspiel) prüfe ich auf Drohungen (Schach, Schlagen oder Vorbereiten davon) und überlege mir (aber nicht vor jedem Zug), was jetzt meine Interessen in der Stellung sind und manchmal auch welche Interessen der Gegner in der Stellung hat und damit verbunden was für Eigenschaften diese Stellungen hat und wie man sie bewerten sollte. Dann überlege ich (leider nur manchmal) was für Züge alle in Frage kommen und gucke nach, ob sie auf die Drohungen reagieren, ob dadurch neue Drohungen möglich sind (gegen meine Seite oder für meine Seite), dann schaue ich nach, was die Hauptvariante für jeden von diesen Zügen ist und wie man die Stellung am Schluss dieser Variante bewerten soll. Schluss heisst hier, dass erstmal keine weiteren Schachs/Schlagen/Drohungen möglich sind. Oft ist das aber zuviele Züge entfernt und dann muss ich vorher abbrechen und intuitiv urteilen. Wenn ich einen Kandidaten habe, den ich spielen will, prüfe ich nochmal kurz, ob das vielleicht kompletter Unfug ist und wenn nein, dann spiele ich den Zug. Wie gesagt, das ist der optimale Vorgang, den ich manchmal mache. Häufig prüfe ich auch nur den ersten Zug, der mir in den Sinn kommt darauf, ob er Material verliert, Drohungen zulässt oder sonst sehr schlecht ist und wenn nein, dann spiele ich ihn, wenn ja, suche ich einen anderen Zug. Ab und zu, vor allen Dingen nach größeren Abtäuschen, frage ich mich, ob und wie sich die Stellung verändert hat und ob es jetzt etwas neues gibt, worauf man achten muss. Häufig übersehe ich diese Wendepunkte aber auch und erkenne 5 Züge später, dass ich was verpasst habe. Im Endspiel suche ich oft nach möglichen Strategien für beide Seiten zu gewinnen und wenn ich mögliche Strategien entdecke, dann nach Verteidigungsmöglichkeiten für die andere Seite. Dann berechne ich konkrete Varianten. Allgemein achte ich darauf, wieviel Zeit ich für den Zug habe und dass ich nicht zuviel oder zu wenig Zeit nutze. Wenn ich den Zug wichtig finde, zum Beispiel weil es um einen entscheidenden Abtausch geht und wie man den abwickelt, nehme ich mir mehr Zeit. Wenn ich lange über einen Zug nachdenke, schätze ich ab, wie schwierig der Rest des Spiels sein wird und wieviel Zeit noch ist und treffe dann zur Not eine nicht gut durchdachte Entscheidung, um nicht auf Zeit zu verlieren oder später in Zeitnot zu geraten. | |