Ich verstehe die Schwierigkeiten die manche zu haben scheinen nicht, wenn es phasenweise zwei Weltmeister (unterschiedlichen Zustandekommens) gab. Ist das der Drang, eine möglichst einfache leicht erklärbare Welt zu haben? Die kann man sich nur in der Phantasie zurechtbasteln, in der Wirklichkeit sind Dinge eben komplizierter. Daran ändert sich auch nichts wenn man sich je nach Geschmack einen Teil davon herauspickt, diesen zum einzig richtigen erklärt und den anderen Teil negiert.

Wenn es manchmal zwei gab ist das so, auch wenn in der Literatur hauptsächlich nur die eine Serie anerkannt wird bzw. würde (um überhaupt dazu etwas auszusagen, müßte das jeweilige Buch ja nach 1993 verfaßt worden sein). Man kann sagen, der eine Titel ist weniger oder gar nichts Wert, aber man kann ihn nicht ausradieren. Er war da, anerkannt oder nicht, gültig oder nicht, oder irgendwo dazwischen. Es gab ihn.

Man kann ja für sich durchaus der einen oder anderen Art von Titel, oder der einen WM-Linie mehr Bedeutung beimessen als der anderen. Mit anderen Worten, beide anzuführen stellt ja noch keine Gleichsetzung dar. Nur sollte man sich im klaren sein, daß man schwerlich das "einzig richtige" verkünden kann und erwarten kann, das sich die ganze Welt daran hält. Wo gibt es das?

Also, man darf sicherlich ruhig Spieler wie Ponomariov (um nur ein Beispiel zu nennen) Ex-Weltmeister nennen, auch wenn dieser "FIDE-Titel" nicht den Rang des Titels aus der traditionellen Matchserie hatte.

Ein Sieg über den WM steht auch nicht immer zur Verfügung, da dieser mitunter "im Amte" verstirbt, oder nicht mehr antreten will. Ich denke, Botwinnik 1948 und Karpov 1978 waren trotzdem allgemein anerkannt.

Ich verstehe wirklich den Drang nicht, den "einzig wahren" zu verkünden und daneben absolut nichts gelten lassen zu können. Daß verschiedene Titel nicht dasselbe Gewicht haben mag sein, aber auch die jeweils "anderen" haben den ja nicht geschenkt bekommen, sodern auch mit Schachleistungen erkämpft.

Ob Bogoljubows zwei Matchsiege gegen Euwe, der damals nicht Weltmeister war, überhaupt zu einer Art Titel (nein, keine Panik bitte! nicht dem "richtigen wichtigen WM-Titel" natürlich...) geführt hat, ist offenbar unklar bzw. eher unwahrscheinlich. In einer Wikipedia-Diskussion wird Schachhistoriker Edward Winter zitiert, demzufolge diese Bezeichnung damals von der FIDE nie verwendet worden sein soll. Winter ist sicherlich eine der verläßlichsten schachhistorischen Kapazitäten.

Ich kann mir auch vorstellen, daß damals der Terminus "Champion" nicht notwendigerweise mit "World Champion" gleichgesetzt wurde, es könnte also in irgendeiner Zeitungsnotiz durchaus von einem Champion Bogoljubow die Rede gewesen sein, ohne damit Weltmeister zu meinen.